Liebe Leserinnen und Leser,

Daten unwiderruflich löschenmoderne Computer bieten immer mehr Speicherplatz. Dennoch ist es immer wieder nötig oder sinnvoll, bestimmte Daten zu löschen. Dazu gehören neben alten E-Mails und nicht mehr benötigten Dokumenten auch andere Daten. Mediendateien, wie Fotos oder MP3-Dateien, bis hin zu ganzen Programmen. Als gewiefter Computernutzer wissen Sie natürlich, dass viele der Dinge, die man auf einem Computer löscht gar nicht richtig gelöscht werden, sondern erst einmal im Papierkorb landen, aus dem sie dann bis zum endgültigen Löschen auch wieder herausgeholt werden können. Ganz wie im richtigen Leben also.

Papierkorb leeren und gut?

Wenn Sie jetzt aber denken, dass das Leeren des virtuellen Papierkorbs ausreicht, um wirklich alle darin enthaltenen Daten endgültig und unwiederbringbar zu entfernen, dann liegen Sie leider falsch. Selbst nach dem Formatieren der Festplatte oder dem Löschen einer Partition auf der Festplatte ist ein Großteil der Daten immer noch da. Für den Benutzer sieht es zwar so aus, als wären die Daten gelöscht und der Rechner verhält sich auch so, aber ein Fachmann kann die Daten mit relativ wenig Aufwand wiederherstellen.

Solange Sie Ihren Rechner zuhause oder im Büro nutzen und keine Fremden Zugriff darauf haben, müssen Sie sich hierüber keine großen Gedanken machen. Sie haben ja alles unter Kontrolle. Anders sieht es allerdings aus, wenn Sie den Rechner in die Reparatur geben, ihn verleihen oder ihn verkaufen.

Wenn Sie Ihren Rechner also aus der Hand geben, sollten Sie sich Gedanken darüber machen, ob Sie damit ggf. auch den Zugriff auf private Daten herausgeben. Ach ja: Es geht hier nicht nur um Festplatten, sondern um sämtliche Speichermedien, also auch USB-Sticks, CDs, DVDs und natürlich SSDs.

Nutzen Sie Tools…

Die Gute Nachricht des Tages ist: Man kann mit einfachen Mitteln dafür sorgen, dass gelöschte Daten tatsächlich endgültig und sicher gelöscht werden. Hierfür gibt es entsprechende Tools, viele davon sogar kostenfrei. Mac-Benutzer haben es besonders komfortabel: Dort ist die Funktion „Papierkorb sicher entleeren“ bereits von Haus aus dabei, sie findet sich im Finder-Menü. Und zum sicheren Löschen ganzer Festplatten oder von USB-Sticks kann auf dem Mac das Festplatten-Dienstprogramm genutzt werden, welches sich im Ordner Programme->Dienstprogramme findet.

Windows-Nutzer sind für beide Funktionen auf Zusatzsoftware angewiesen, die wie gesagt kostenfrei zu haben ist. Zum sicheren Löschen einzelner Dateien kann z. B. die Software Eraser (http://eraser.heidi.ie/) genutzt werden und zum sicheren Löschen ganzer Festplatten vor dem Rechner-Verkauf oder der Verschrottung der CBL Daten-Schredder (http://www.cbltech.de/daten-schredder/).

… und seien Sie vorsichtig

Achtung: Beide genannten Programme und auch das Festplatten-Dienstprogramm des Mac sind durchaus erklärungsbedürftig und müssen daher überlegt und vorsichtig eingesetzt werden. Was mit diesen Programmen gelöscht wurde, ist definitiv unwiederbringlich weg. Wenn Sie also aus Versehen anstelle des USB-Sticks oder der zweiten externen Festplatte die Boot-Platte Ihres PC löschen, haben Sie ein Problem…

Sonderfall SSD

Das oben gesagt gilt übrigens nicht für SSDs. SSD-Speicher haben die technische Eigenheit, dass sie anders als Festplatten nicht beliebig oft überschreibbar sind. Nach 3000 bis 100.000 Schreibvorgängen (pro Speicherzelle) sind die einzelnen Speicherzellen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr zu gebrauchen. Um eine möglichst gleichmäßige Schreibbelastung der Speicherzellen von SSDs zu gewährleisten und damit die Lebensdauer der SSD drastisch zu verlängern, wenden die Hersteller einen technischen Trick an. Wird eine Zelle erneut überschrieben, wird sie „durchgetauscht“ und durch eine ersetzt, die weniger Schreibvorgänge aufweist. Bis dahin ein schlauer Trick. Allerdings bewirkt dieser Trick auch, dass auch das sichere Löschen nicht mehr greift. Beim gezielten Überschreiben der vorhandenen Daten werden die neuen Daten nämlich in völlig andere physikalische Speicherzellen geschrieben werden und die alten Daten somit gar nicht wirklich gelöscht. Sie erhöhen lediglich die Anzahl der Schreibvorgänge für einige Speicherzellen. SSDs können Sie nur durch spezielle Löschprogramme, die für gewöhnlich von den Herstellern geliefert werden, wirklich sicher löschen. Ob ein entsprechendes Programm für Ihr Modell existiert, können Sie beim Hersteller Ihrer SSD auf der Homepage herausfinden.

CDs und DVDs sind am einfachsten

Bleibt noch die Frage, wie CDs oder DVDs gelöscht werden können. Die Antwort ist einfach: Gar nicht. Diese Datenträgertypen können beschrieben werden und was einmal drauf ist, bleibt auch drauf. Sicher, es gibt wiederbeschreibbare Varianten davon, bei denen Sie die Daten dann überschreiben können. Ich würde mich aber nicht darauf verlassen, dass sie auch sicher gelöscht werden können. Stattdessen empfehle ich Ihnen, CDs und DVDs zu schreddern, wenn sie nicht mehr benötigt werden. Bei den heutigen Preisen für CD und DVD-Rohlinge dürfte das keine allzu hohe finanzielle Belastung darstellen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein paar nützliche Tipps geben, wie Sie mit alten Datenträgern umgehen. Wenn Sie weitere Programme zum Löschen von Datenträgern kennen, posten Sie die doch gerne zusammen mit Ihren Erfahrungen in den Kommentaren. Und wenn Sie richtig tief in das Thema Datenvernichtung einsteigen wollen, empfehle ich Ihnen die Lektüre der DIN 66399, die sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt. Entsprechende Informationen finden Sie z. B. hier oder hier.

Ihr Tobias Mauß

Tobias Mauss - Datenschutz bei connect45plusÜber den Autor

Tobias Mauß ist selbstständiger Berater für betrieblichen Datenschutz und geprüfter EDV-Sachverständiger. Er ist in zahlreichen Unternehmen als externer betrieblicher Datenschutzbeauftragter bestellt und führt auch Schulungen zum Thema Datenschutz und Datensicherheit durch. Seine Webseite finden Sie auf: https://www.tobias-mauss.de

 

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